Das Ideal

Liebe. Die Minne hat sie zu einem Ideal gemacht nach welchem wir uns alle sehnen.
Wir stellen uns diesen idealen Zustand vor, welcher un-endliches Glück und ein absolutes Ende der Einsamkeit verspricht.

Der ideale Partner ist omnipotent.

Er versteht mich, nimmt mich so wie ich bin, weiß was mir gefällt und was ich will zu jeder Zeit.
Er ist meiner Meinung, aber hat auch ne eigene Meinung, ist kinderlieb, intelligent, gebildet, erfolgreich, maskulin, aber nicht zu hart, lacht gern mit mir ist aber nicht dümmlich, kann mit mir feiern, ist aber keine Partysau.
Er kann zuhören und erzählen, er hat Freunde und Hobbies, verbringt aber immer gern Zeit mit mir. Er hat einen Job in dem er genug verdient, verbringt aber auch genügend Zeit zuhause, er ist modisch und pflegt sich und spricht evtl. mehrere Sprachen, er kann mich überraschen und ist verlässlich….. usw.. Ideal eben.

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Welches Ideal hätten’s denn gern?

So oder so ähnlich könnte die Liste einer Frau heutzutage aussehen. Phu! Die armen Kerle!
Auf der anderen Seite.. Die perfekte Frau ist:……? Also! Auch ideal.

Ein Liste hat jeder im Kopf und im besten Falle ist eine Beziehung von Anfang an romantisch, spannend, positiv, erfolgreich und einvernehmlich.

Und dann kommt noch die Optik!

Die äußere Hülle! Na wenn die nicht stimmt, wer spricht die Person dann schon an?
Nein, Menschen deren äußere Hülle nicht ansprechend ist bleiben allein. So einfach ist das.
Das diktiert die Mode, die Frauenzeitung, der Freundeskreis. Wer will schon hören: „Hey was hast du denn da für ne hässliche Alte abgeschleppt?“ Keiner! Denn der Partner/Die Partnerin ist obendrauf noch ein Aushängeschild für die eigene Attraktivität und den Erfolg und somit Stützpfeiler des eigenen sozialen Status. Dies gilt sowohl für hetero-, als auch gleich geschlechtliche oder Transgender Paare. Zeige mir mit wem du liiert bist und ich sage dir wer du bist.

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Erkenntnis ist der erste Weg zur freien Wahrnehmung.

Kürzlich sah ich einen interessanten Clip in welchem der Schauspieler Dustin Hoffman von seinen Erfahrungen vor und während des Films Tootsie erzählte.
Er hatte mit der Filmfirma arrangiert, wenn die Maskenbildner ihn in eine ansehnliche Frau verwandeln könnten, würde er die Rolle annehmen.
Diese gaben sich große Mühe und verwandelten ihn optisch tatsächlich in ein weibliches Wesen.

Mr. Hoffman war sehr begeistert und verlangte nun, da er überzeugt war als Frau auftreten zu können, daß sie ihn eine hübsche und attraktive Frau verwandelten. Doch die Maskenbildner mussten ihm zu verstehen geben: Wir sind so weit gegangen wie möglich. Sie sehen weiblich aus, doch schöner können Sie nicht werden, da sind uns durch die Natur einfach Grenzen gesetzt.

Mr. Hoffman erfuhr hier am eigenen Leibe, wie es ist zwar einer Gruppe von Menschen (Frauen) zugeordnet werden zu können, jedoch nicht dem gängigen Bild von Attraktivität zu entsprechen. Und auch, daß er so für viele Menschen plötzlich unsichtbar wurde. Etwas was ihm auf Grund seines Aussehens und seiner Popularität sonst nicht widerfuhr.

Er beschrieb, wie er zu Hause mit seiner Frau darüber sprach und von unendlicher Traurigkeit ergriffen wurde, da er feststellen musste wie viele potentiell wundervolle und begabte Menschen er aus diesem Grund selbst nie kennen lernen konnte, da sie auf Grund von subjektiv empfundenem Mangel an Attraktivität nicht auf seinem Radar erschienen waren.

Was auch immer nun Mr. Hoffmans Menschenbild geprägt hat, jedem anderen geht es einfach ähnlich. Wir haben eine bestimmte Attraktivitässkala in die wir andere einteilen und diese wiederum teilen uns in ihr System evtl. sogar Beuteschema ein.

Mutig ist, wer sich traut sich dessen bewusst zu werden und sich mal zu gönnen weiter zu sehen als bis zum Rand der eigenen Platte an Köstlichkeiten.
So manche Leckerei ist optisch fremd, vielleicht sogar abstoßend und birgt in sich eine wunderbare Textur, einen Geschmack der unsere Einheitsbrühe an immer gleichen Beziehungen zu immer gleichen Typen positiv beeinflusst!

Erst wer lernt seinen Partner nicht nur aus Acsessoiregründen mit sich zu führen, sondern sein Anderssein und seine Fremdheit begrüßt, der sucht wirklich jemanden aus der ihm auf Augenhöhe begegnen kann. Eine Liebesbeziehung ist eine intime und intensive Beziehung zweier Individuen, die sich immer wieder neu für einander entscheiden. So ist es weder Gewohnheit noch Stockholmsyndrom.

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